Berliner-Tierschutzverein fordert Abschaffung der Rasseliste

Foto von Marcus Brandt/dpa

Der Berliner Tierschutzverein fordert eine Abschaffung der sogenannten Rasseliste für Hunde. Ein solcher Schritt müsse allerdings mit der verpflichtenden Einführung eines Hundeführerscheins einhergehen, erklärte die Vorstandsvorsitzende Eva Rönspieß. 

Denn ein Sachkundenachweis für Halter sei dringend nötig, weil sich zu viele Menschen nicht verantwortungsbewusst im Umgang mit ihren Hunden zeigten. «Das Problem liegt oftmals nicht bei den Hunden, sondern eher am anderen Ende der Leine.»

In Berlin gibt es seit 2016 ein neues Hundegesetz und eine «Gefährliche-Hunde-Verordnung». Dort werden die Rassen Pitbull, American Staffordshire Terrier, Bullterrier sowie deren Kreuzungen als gefährlich eingestuft. Für diese Hunde gelten besondere Auflagen wie Leinen- und Maulkorbpflicht, ein Wesenstest oder eine erhöhte Hundesteuer. Halter müssen ihre Sachkunde nachweisen, für Halter anderer Rassen ist dieser Nachweis freiwillig. 

Verein sieht Stigmatisierung 

Nach Einschätzung des Tierschutzvereins führt die Rasseliste zu einer Stigmatisierung und einem negativen Image der fraglichen Hunde. «Das ist ein Bild, das der Realität nicht gerecht wird», sagte Rönspieß. «Vielmehr sind es die Lebensumstände eines Hundes, die sein Wesen prägen.»

Aktuell warten im Tierheim Berlin nach ihren Angaben rund 50 sogenannte Listenhunde auf ein neues Zuhause – das ist etwa jeder vierte Hund. Eine Vermittlung sei aufgrund der Rasseliste schwer und stelle das Tierheim vor große finanzielle und räumliche Herausforderungen, schilderte Rönspieß. «Eine Abschaffung der Rasseliste wäre für sie wie ein halber Sechser im Lotto. Endlich hätten sie bessere Chancen auf ein liebevolles Zuhause.» 

Das steht im Koalitionsvertrag 

CDU und SPD hatten 2023 in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben: «Wir setzen uns für die Abschaffung der Rasseliste bei Hunden ein.» Viel passiert ist bei dem Thema bisher nicht. Aus der zuständigen Justizverwaltung hieß es, man sei bei den Überlegungen und Prüfungen im Hinblick auf eine Umsetzung noch am Anfang. Ob in Berlin ein Hundeführerschein eingeführt wird, ist offen.


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